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28th September 2026

Reguliert, aber kein Siegel: Warum EcoVadis Medaillen und Badges unter die ESG-Rating-Verordnung fallen – und nicht unter die EmpCo

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Seit dem 27. September 2026 sind in Deutschland die neuen Regeln gegen Greenwashing anzuwenden. Viele Unternehmen, die ihre EcoVadis Bewertung nach außen kommunizieren, stellen sich deshalb dieselbe Frage: Dürfen wir unsere EcoVadis Medaille oder unser Badges weiterhin verwenden?

Die Antwort lautet: Ja. EcoVadis Medaillen und Badges sind ESG-Ratings im Sinne der EU-Verordnung über ESG-Rating-Tätigkeiten (ESGR) und unterliegen damit deren Regeln – nicht den Anforderungen, die die EmpCo-Richtlinie an Nachhaltigkeitssiegel stellt. Was sich für Sie ändert, ist überschaubar: Jede externe Verwendung muss mit einem Link zur EcoVadis Recognition Page verbunden sein und den Regeln der EcoVadis Medal Usage Policy folgen. Beides erklären wir in diesem Beitrag.

Zwei Regelwerke, zwei verschiedene Aufgaben

Um die Einordnung zu verstehen, hilft ein Blick auf zwei EU-Regelwerke, die fast zeitgleich wirksam werden – aber ganz unterschiedliche Dinge regeln.

Die EmpCo-Richtlinie (Richtlinie (EU) 2024/825, „Empowering Consumers for the Green Transition“) richtet sich an die Kommunikation gegenüber Verbraucher*innen. Sie verbietet unter anderem Nachhaltigkeitssiegel, die nicht auf einem Zertifizierungssystem beruhen oder behördlich festgesetzt sind, sowie pauschale Umweltaussagen wie „grün“ oder „nachhaltig“ ohne Nachweis. In Deutschland wurde sie durch das Dritte Gesetz zur Änderung des UWG umgesetzt, das am 19. Februar 2026 verkündet wurde (BGBl. 2026 I Nr. 43) und dessen Vorschriften ab dem 27. September 2026 gelten.

Die ESG-Rating-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/3005, kurz ESGR) gilt seit Juli 2026 und regelt die Transparenz und Integrität von ESG-Ratings. Anbieter von ESG-Ratings benötigen eine Zulassung durch die europäische Wertpapieraufsicht ESMA, müssen ihre Methodik offenlegen, Interessenkonflikte vermeiden und unterliegen laufender Aufsicht.

Kurz gesagt: Die EmpCo regelt Siegel und Werbeaussagen, die ESGR regelt Ratings. Entscheidend ist also, in welche Kategorie die EcoVadis Medaillen und Badges fallen.

Medaillen und Badges sind ESG-Ratings – keine Siegel

Ein ESG-Rating ist nach der ESGR eine Einschätzung oder ein Score zum Nachhaltigkeitsprofil eines Unternehmens, die auf einer etablierten Methodik und einem definierten Rangsystem beruht. Genau das sind die EcoVadis Medaillen und Badges: Sie übersetzen das Ergebnis des EcoVadis Ratings – einer Bewertung des Nachhaltigkeitsmanagementsystems anhand von 21 Kriterien in den Themen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung – in einen Perzentilrang beziehungsweise eine Punktschwelle:

Auszeichnung Schwelle
Platin Top 1 % (99. Perzentil und höher)
Gold Top 5 % (95. Perzentil und höher)
Silber Top 15 % (85. Perzentil und höher)
Bronze Top 35 % (65. Perzentil und höher)
Committed-Badges Punktzahl von mindestens 45
Fast Mover-Badges 34–44 Punkte mit mindestens 6 Punkten Verbesserung binnen 18 Monaten

Hinzu kommen Ausschlusskriterien: Kein Unternehmen erhält eine Medaille, wenn es in einem der vier Themen unter 30 Punkten liegt, bestimmte Branchen sind ausgeschlossen, und dokumentierte Vorfälle aus externen Quellen können die Medaillenfähigkeit entfallen lassen. Medaillen und Badges gelten zwölf Monate und nur für die konkret bewertete Rechtseinheit.

Ein Nachhaltigkeitssiegel im Sinne der EmpCo funktioniert grundlegend anders: Es bescheinigt nach dem Prinzip „bestanden oder nicht bestanden“, dass ein fester Standard eingehalten wird – überwacht durch ein Zertifizierungssystem mit unabhängiger Drittstelle. Ein Rating dagegen ist eine abgestufte, zeitpunktbezogene Bewertung auf einer Skala. Deshalb gilt unverändert, was EcoVadis seit jeher klarstellt: Eine EcoVadis Medaille ist keine Zertifizierung, kein Produktlabel und kein Nachweis, dass Produkte oder Dienstleistungen nachhaltig sind – sie ist die Anerkennung einer Bewertungsleistung des Unternehmens.

Konsequenterweise hat EcoVadis der ESMA im Juli 2026 die Absicht angezeigt, die Zulassung als ESG-Rating-Anbieter zu beantragen, und wird auf der entsprechenden Liste der ESMA geführt. Nach der Zulassung sind die EcoVadis Scores, Medaillen und Badges regulierte und von der ESMA beaufsichtigte Produkte.

Warum die ESGR Vorrang hat: das Lex-specialis-Prinzip

Was aber, wenn beide Regelwerke dem Wortlaut nach berührt sein könnten? Für diesen Fall kennt das EU-Recht eine klare Antwort: den Grundsatz „lex specialis“. Er besagt, dass die speziellere Regelung der allgemeinen vorgeht. Die allgemeinen Verbraucherschutzvorschriften – zu denen die EmpCo gehört – greifen nur, soweit ein Sachverhalt nicht durch speziellere EU-Vorschriften geregelt ist. So steht es ausdrücklich in Artikel 3 Absatz 4 der Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken, die die EmpCo ändert.

Genau eine solche speziellere Regelung ist die ESGR: Sie regelt umfassend, wie ESG-Ratings erstellt, abgesichert und öffentlich kommuniziert werden – einschließlich konkreter Transparenzpflichten in Artikel 24. Nach unserer mit Rechtsberatern entwickelten und im laufenden Dialog mit den EU-Behörden vertretenen Einschätzung bedeutet das: Die EcoVadis Medaillen und Badges richten sich nach den Transparenz- und Integritätsanforderungen der ESGR und müssen nicht zusätzlich die Zertifizierungsanforderungen erfüllen, die die EmpCo an Nachhaltigkeitssiegel stellt.

Diese Lesart entspricht auch der erkennbaren Absicht des EU-Gesetzgebers: Der Entwurf der Green-Claims-Richtlinie – deren Verhandlungen seit Juni 2025 pausieren – sah ausdrücklich vor, Aussagen und Labels, die bereits durch speziellere EU-Regelwerke abgedeckt sind, vom Anwendungsbereich auszunehmen; die EU-Kommission unterstützte die Aufnahme der ESGR in diese Liste.

Wichtig zu wissen: Das allgemeine Irreführungsverbot gilt selbstverständlich weiter – für jede Art von Kommunikation, in Deutschland auch im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen. Wer seine Medaille zeigt, muss also weiterhin korrekt beschreiben, was sie aussagt. Dazu gleich mehr.

Was das konkret für Sie bedeutet

Die gute Nachricht zuerst: Sie können Ihre EcoVadis Medaille oder Ihr Badges weiterhin extern verwenden – auf der Website, in Präsentationen, in Ausschreibungen oder auf LinkedIn. Drei Voraussetzungen sind dabei zu beachten:

  •       Aktive Mitgliedschaft: Medaillen und Badges dürfen nur von Unternehmen mit aktiver Premium-, Select- oder Corporate-Mitgliedschaft extern geteilt werden.
  •       Link zur Recognition Page: Seit dem 1. Januar 2026 muss jede externe Verwendung – online wie offline – mit einem Link zur offiziellen EcoVadis Recognition Page verbunden sein. Das ist keine Formalie, sondern der Kern der ESGR-Transparenz: Wer die Medaille sieht, kann mit einem Klick nachvollziehen, welche Einheit wann mit welchem Ergebnis bewertet wurde und was die Auszeichnung methodisch bedeutet.
  •       Medal Usage Policy: Die EcoVadis Medal Usage Policy beschreibt, wie und wo Medaillen und Badges verwendet werden dürfen – von der unveränderten Darstellung bis zu den zulässigen Einsatzkontexten.

Falls Sie Ihre Medaille bereits vor dieser Umstellung extern geteilt haben: Ergänzen Sie den Link zur Recognition Page, wo immer dies praktikabel ist. Für alle neuen Veröffentlichungen ist er verpflichtend.

Präzise formulieren lohnt sich weiterhin

Auch wenn die Siegel-Regeln der EmpCo auf Medaillen und Badges nicht anwendbar sind: Präzise Aussagen schützen Sie vor dem allgemeinen Vorwurf der Irreführung – und sie machen Ihre Auszeichnung glaubwürdiger. Die wichtigsten Faustregeln:

  • „Bewertet“, nicht „zertifiziert“: Sagen Sie „Unser Nachhaltigkeitsmanagement wurde von EcoVadis mit Gold bewertet“ – nicht „Wir sind EcoVadis-zertifiziert“. Zertifiziert ist niemand; bewertet schon.
  • Unternehmensbewertung, keine Produktaussage: Die Medaille bezieht sich auf das Nachhaltigkeitsmanagement Ihres Unternehmens – nicht auf die Nachhaltigkeit einzelner Produkte oder Dienstleistungen. Auf Verbraucherverpackungen neben Produktclaims gehört sie nicht.
  • Die richtige Einheit: Die Auszeichnung gilt nur für die bewertete Rechtseinheit – nicht automatisch für Muttergesellschaft, Schwesterunternehmen oder Tochtergesellschaften.
  • Aktualität: Medaillen und Badges gelten zwölf Monate, analog zur Gültigkeit der Scorecard. Eine ältere Auszeichnung sollte nicht weiter beworben werden.

Fazit

Die EmpCo zieht eine Linie, die im Markt lange verschwommen war: zwischen zertifizierten Produkteigenschaften und bewerteter Unternehmensleistung. Die EcoVadis Medaillen und Badges stehen klar auf der Seite der bewerteten Unternehmensleistung – als ESG-Ratings, die den Transparenz- und Integritätsanforderungen der ESG-Rating-Verordnung unterliegen und künftig unter Aufsicht der ESMA stehen. Für Sie als bewertetes Unternehmen heißt das: Sie können Ihre Auszeichnung weiterhin mit gutem Gewissen zeigen – verbunden mit dem Link zur Recognition Page und im Rahmen der Medal Usage Policy.

Nutzen Sie die kommenden Wochen für eine kurze Bestandsaufnahme: Wo taucht Ihre Medaille auf? Ist überall der Link zur Recognition Page hinterlegt? Steht irgendwo das Wort „zertifiziert“? Damit sind Sie für den 27. September gut aufgestellt.

Weiterführende Ressourcen

Andrea Bacher ist Expertin für Nachhaltigkeit, ESG und Regulatorik mit internationaler Erfahrung in Beratung, Enablement und Go-to-Market. Bei EcoVadis ist sie als Head of Regulatory Expertise mit Verantwortung an der Schnittstelle von Customer Experience, Go-to-Market, Sales Engineering und Enablement tätig. Sie hält einen LL.M. in International Business Law von der Queen Mary University of London sowie einen M.Sc. in Sustainable Development Management von der HEC Paris.

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