Bewältigung der Transparenzlücke kurz vor Inkrafttreten der CSDDD und der EU-Verordnung zur Zwangsarbeit
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Die Verabschiedung der EU-Richtlinie zur Sorgfaltspflicht und der EU-Verordnung zur Zwangsarbeit markiert einen Wendepunkt für Beschaffungsteams: den Übergang zu datengestützter Wachsamkeit. Das Risiko der Nichteinhaltung ist nicht mehr nur eine rechtliche Frage, sondern eine direkte Bedrohung für den Warenfluss. Um weiterhin vorne zu bleiben, muss die Beschaffung die anhaltende Herausforderung der „Transparenzlücke” lösen.
Mit Blick auf das Jahr 2027 verschiebt sich die regulatorische Landschaft von freiwilliger Berichterstattung hin zu verbindlichen operativen Anforderungen. Die EU-Zwangsarbeitsverordnung (EUFLR) wird bald den Import, Verkauf und Export aller Waren verbieten, die mit Zwangsarbeit in Verbindung stehen, unabhängig davon, wo sie hergestellt wurden. Gleichzeitig zwingt die Richtlinie zur Sorgfaltspflicht von Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit (CSDDD) Unternehmen dazu, ihre „Aktivitätenkette” gründlicher als je zuvor zu überprüfen.
Komplexität vs. Klarheit
Die Einführung dieser Richtlinien ist ein Meilenstein – die CSDDD und die EUFLR verlangen einen „Null-Toleranz“-Ansatz gegenüber Menschenrechtsverletzungen. Selbst mit den jüngsten Maßnahmen zur Vereinfachung der Berichtspflichten – wie dem Omnibus Simplification Package – bleibt die Kernverpflichtung bestehen: Unternehmen müssen Risiken effektiv identifizieren und mindern, selbst tief in komplexen globalen Lieferketten. Die Vereinfachungsmaßnahmen sollen zwar den Verwaltungsaufwand für die Berichterstattung reduzieren, aber nicht den Standard des Menschenrechtsschutzes senken, indem sie den Fokus der Regulierungsbehörden auf die tatsächliche Wirksamkeit Ihrer Sorgfaltspflicht schärfen.
Wer keine Transparenz herstellt, erfüllt nicht nur die regulatorischen Erwartungen nicht, sondern setzt sein Unternehmen auch Verzögerungen, Kostensteigerungen und Produktionsunterbrechungen aus.
Warum Audits nicht ausreichen
Der größte Schwachpunkt für eine nachhaltige Beschaffung ist heute die Transparenz. Die meisten Fachleute verlassen sich auf herkömmliche Lieferantenaudits, um die Einhaltung der Vorschriften zu beurteilen. Diese Audits sind zwar wertvoll, liefern jedoch nur „Momentaufnahmen”. Sie werden oft im Voraus geplant und können systemische Arbeitsrechtsverletzungen übersehen, die tief in der Lieferkette oder außerhalb des Auditfensters auftreten.
Dieser Mangel an kontinuierlicher Transparenz führt zu einer Transparenzlücke. Selbst die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) hat gewarnt, dass „kein einzelnes Audit als endgültige Bewertung“ der Risiken von Zwangsarbeit dienen kann. Wenn sich Beschaffungsteams ausschließlich auf diese statischen Berichte verlassen, bleiben ihnen die täglichen Realitäten der Arbeitskräfte, die ihre Produkte herstellen, verborgen.
Die Kosten des blinden Handelns
Die Folgen dieser Transparenzlücke zeigen sich bereits auf den globalen Märkten. Die USA dienen als Vorbild dafür, was europäische Unternehmen erwarten können, sobald die EUFLR vollständig in Kraft getreten ist. Seit 2022 wurden mehr als 48.000 Lieferungen im Wert von 3,9 Milliarden US-Dollar gemäß dem Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA) zurückgehalten. Das Tempo der Durchsetzung beschleunigt sich, sodass 2025 fast so viele Lieferungen zurückgehalten werden wie 2023 und 2024 zusammen.
In Europa hat das deutsche Sorgfaltspflichtgesetz (LkSG) ähnliche Wirkung gezeigt. Allein im ersten Jahr wurden 206 Beschwerden eingereicht, die zu 58 formellen Untersuchungen und fast 500 Inspektionen führten, die sich auf risikoreiche Sektoren wie Textilien und Elektronik konzentrierten. Diese Zahlen zeigen, dass Menschenrechtsverletzungen keine fernen theoretischen Risiken sind, sondern konkrete operative Bedrohungen, die die Lieferfähigkeit und den Marktzugang beeinträchtigen.
Die Lücke schließen mit Worker Voice
Um die Kontinuität der Lieferkette zu gewährleisten, muss die Beschaffung über die statische Überprüfung hinausgehen und zu einer kontinuierlichen Überwachung übergehen. Hier kommen Tools wie EcoVadis Worker Voice ins Spiel, die eine Lösung bieten, um die Transparenzlücke zu schließen. Durch die Bereitstellung eines digitalen, anonymen Beschwerde- und Feedback-Kanals können Unternehmen in Echtzeit Einblick in ihre Lieferkette gewinnen.
Im Gegensatz zu einer periodischen Prüfung fungiert dieser Ansatz als echtes Frühwarnsystem. Er ermöglicht es den Arbeitnehmenden, Probleme sicher zu melden, und erlaubt es den Lieferanten, Probleme transparent und ohne Angst vor Vergeltungsmaßnahmen anzugehen, bevor sie zu behördlichen Untersuchungen, NGO-Kampagnen oder Reputationskrisen eskalieren.
Resilienz als Wettbewerbsvorteil
Letztendlich ist proaktive Sorgfaltspflicht einfach gutes Geschäft. Die frühzeitige Erkennung eines Risikos durch eine Arbeitnehmerbefragung kostet weit weniger als die spätere Bewältigung einer zurückgehaltenen Lieferung oder einer PR-Krise. Unternehmen, die transparent handeln, vermeiden nicht nur Geldstrafen und Produktionsstillstände, sondern stärken auch ihre Position bei Ausschreibungen und verbessern ihre ESG-Ratings. In einer Zeit, in der der regulatorische und der Marktdruck gleichzeitig zunehmen, ist das Eingehen auf die Belegschaft nicht mehr nur eine moralische Entscheidung, sondern eine strategische Notwendigkeit, um die Lieferkette zu sichern.
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