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23rd December 2025

EcoVadis Rückblick 2025: Regulierung, Risiko und Resilienz

Gerade veröffentlicht: Der globale Index für Nachhaltigkeitsrisiken & Leistung von Lieferketten

Einblicke von EcoVadis Ratings

Man and woman talks about work

Das Versprechen für 2025 lautete „Vereinfachung“. Die Realität fiel deutlich differenzierter aus. Zum Jahresende zeigt sich kein konvergierender Regulierungsrahmen, sondern eine fragmentierte Landschaft aus verzögerten Verfahren, Neujustierungen und Rücknahmen.

Die sogenannten Omnibus-Initiativen zur Straffung der EU-Nachhaltigkeitsregulatorik entwickelten sich zu einem legislativen Langstreckenlauf. Über weite Teile des Jahres blieb offen, ob und in welcher Form zentrale Regelwerke wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) tatsächlich angewendet werden würden. Diese Unsicherheit prägte die letzten Monate des Jahres.

Parallel dazu zeigte sich auch auf internationaler Ebene eine zunehmende Divergenz. In den USA wurden föderale Klima-Offenlegungspflichten ausgesetzt, während einzelne Bundesstaaten eigene, teils widersprüchliche Vorgaben vorantrieben. Gleichzeitig veränderten geopolitische Verschiebungen die Handelsdynamik. Zölle und Handelsbarrieren, häufig als Schutz nationaler Interessen begründet, erhöhten die Risiken globaler Lieferketten und standen nicht selten im Spannungsverhältnis zu Klima- und Nachhaltigkeitszielen.

Und doch hielten viele Unternehmen Kurs. Während politische Prozesse stockten, investierten Unternehmensnetzwerke weiter in Leistungsfähigkeit, Transparenz und Resilienz. In einem zunehmend volatilen Umfeld zeigte sich: operative Performance und Risikomanagement gewinnen an Bedeutung, unabhängig von regulatorischer Dynamik.

Omnibus I: Das Ende der Ausweitung, nicht des Risikos

Seit die Europäische Kommission im Februar ihren Omnibus-Vorschlag vorlegte, zog sich die Neuverhandlung der europäischen Sorgfalts- und Berichtspflichten durch das gesamte Jahr. Erst in den letzten Wochen von 2025 zeichnete sich ein vorläufiges Ergebnis ab.

Unter dem Leitmotiv der „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit“ einigten sich die europäischen Gesetzgeber auf eine deutliche Reduzierung des Anwendungsbereichs von CSRD und CSDDD. Damit wurden Schwellenwerte und Zeitpläne neu gezogen und der Kreis der verpflichteten Unternehmen erheblich verkleinert.

Konkret bedeutet dies:
Die CSRD soll künftig nur noch für EU-Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem jährlichen Nettoumsatz von über 450 Millionen Euro gelten. Damit steigt die Schwelle im Vergleich zu früheren Ansätzen deutlich an. Zahlreiche mittelständische Unternehmen sowie börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen fallen aus der verpflichtenden Berichterstattung heraus.

Auch die CSDDD wird stark eingegrenzt. Die neuen Sorgfaltspflichten erfassen nur noch sehr große Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro. Zudem wurde die nationale Umsetzung auf Juli 2028 verschoben, sodass praktische Pflichten frühestens ab 2029 greifen.

Zusätzlich wurden die Anforderungen weiter gestrafft. Die Pflicht zur Erstellung von Klimatransitionsplänen entfällt, und Sorgfaltspflichten werden im Wesentlichen auf direkte Geschäftspartner begrenzt.

Kurzfristig bedeutet diese „Vereinfachung“ regulatorische Entlastung für viele Unternehmen. Strategisch jedoch verändert sie die Spielregeln grundlegend. Der regulatorische Mindeststandard sinkt. Nachhaltigkeitsleistung wird damit weniger durch Brüssel vorgegeben, sondern stärker durch Marktmechanismen bestimmt.

Divergenz statt Konvergenz

Diese Entwicklung ist kein rein europäisches Phänomen. Auch in den USA setzte sich 2025 eine regulatorische Fragmentierung fort. Politische Polarisierung prägte die ESG-Debatte, sowohl auf Bundes- als auch auf Bundesstaatenebene.

Zu Beginn des Jahres stellte die US-Börsenaufsicht SEC ihre Verteidigung der föderalen Klima-Offenlegungsregel ein. Anhaltende Klagen stellten die Zuständigkeit der Behörde infrage. Die Regelung bleibt damit faktisch wirkungslos, solange keine gerichtliche Klärung erfolgt.

Kalifornien schien diese Lücke schließen zu wollen, doch auch hier wuchs die Unsicherheit. Ende 2025 wurde das kalifornische Gesetz SB 261 zur Offenlegung klimabezogener Finanzrisiken gerichtlich blockiert und befindet sich im Berufungsverfahren, kurz vor dem geplanten Start der Berichtspflichten.

Gleichzeitig blieb das Gesetz SB 253 unangetastet. Es verpflichtet weiterhin tausende Unternehmen zur Offenlegung ihrer Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen. Diese gespaltene Rechtslage erhöht den Druck auf Unternehmen, mit widersprüchlichen Anforderungen umzugehen.

Risikowahrnehmung in den USA: Handeln trotz Nebel

Trotz regulatorischer Unsicherheit haben US-Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsbemühungen nicht eingestellt. Die Ergebnisse des EcoVadis 2025 US Business Sustainability Landscape Outlook zeigen, dass 87 Prozent der befragten Unternehmen ihre Investitionen in Nachhaltigkeit seit Jahresbeginn beibehalten oder erhöht haben.

Auffällig ist jedoch eine kommunikative Zurückhaltung. Rund 31 Prozent der Führungskräfte investieren mehr, sprechen aber weniger öffentlich darüber. Performance ersetzt Positionierung.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Folgen regulatorischer Rückschritte. 47 Prozent der Führungskräfte warnen, dass ESG-Rollbacks Lieferketten destabilisieren würden. Handelskonflikte und Zölle wurden 2025 von 72 Prozent der Befragten als größtes externes Lieferkettenrisiko genannt.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet damit, dass zwischen 26 und 50 Prozent ihrer Lieferanten neu aufgestellt werden müssen, falls die aktuellen US-Zollpolitiken bestehen bleiben. Diese Belastungen addieren sich zu bestehenden Störungen. 44 Prozent der Unternehmen verzeichneten im vergangenen Jahr vier bis zehn schwerwiegende Lieferkettenunterbrechungen, weitere 22 Prozent sogar mehr als elf.

Von Risiko zu Rendite: Lieferketten neu gedacht

Die erste Jahreshälfte 2025 war in den USA die teuerste jemals gemessene Periode für Naturkatastrophen. Waldbrände in Kalifornien und schwere Stürme verursachten Schäden in Milliardenhöhe. Allein wetterbedingte Ereignisse führten in sechs Monaten zu Schäden von mindestens einer Milliarde US-Dollar.

Gleichzeitig bleiben viele Unternehmen unvorbereitet. 21 Prozent haben bislang keine Maßnahmen ergriffen, um klimabezogene Lieferkettenrisiken zu adressieren. Dabei könnten unbehandelte Scope-3-Emissionen bis 2030 Haftungsrisiken von bis zu 500 Milliarden US-Dollar verursachen.

Der Carbon Action Report von EcoVadis und BCG zeigt, dass 90 Prozent der bewerteten Unternehmen keine upstream-Scope-3-Reduktionsziele haben und nur 36 Prozent ihre Lieferanten aktiv in Klimamaßnahmen einbinden. Dabei liegen die Emissionen in der Lieferkette im Durchschnitt 21-mal höher als die direkten Emissionen eines Unternehmens.

Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass bis zu 50 Prozent der Lieferantenemissionen kostenneutral oder unterhalb von 76 Euro pro Tonne CO₂e reduziert werden können. Ein Drittel sogar für weniger als 12 Euro pro Tonne. Die Rendite kann dabei bis zum Sechsfachen der Investition betragen.

Damit wird klar: Lieferkettenemissionen sind kein reines Risikothema, sondern ein Hebel für finanzielle Performance.

Resilienz als Investition, nicht als Kostenfaktor

Die regulatorische Realität von 2025 ist von Brüchen, Verzögerungen und Neujustierungen geprägt. Doch führende Unternehmen haben gezeigt, dass sie keine staatliche Pflicht benötigen, um wirtschaftliche Notwendigkeiten zu erkennen.

Ob es um physische Klimarisiken, geopolitische Spannungen oder Handelskonflikte geht, langfristigen Wert schaffen jene Unternehmen, die Resilienz systematisch aufbauen. Sie verstehen Transparenz in der Lieferkette nicht als Compliance-Übung, sondern als strategischen Schutzmechanismus und als Quelle von Effizienz und Rendite.

Omnibus I mag den regulatorischen Rahmen verengen. Die Risikolandschaft bleibt komplex. Unternehmen, die dies erkennen und entsprechend handeln, sichern sich einen entscheidenden Vorteil in einer Welt zunehmender Unsicherheit.

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