Scope 3 im Fokus: Warum jetzt der Moment für unternehmerisches Handeln ist
Die Dekarbonisierung der Lieferkette entwickelt sich von einer freiwilligen Initiative zur ökonomischen Notwendigkeit. Das zeigt der neue Carbon Action Report 2025 von EcoVadis und der Boston Consulting Group in aller Deutlichkeit. Insbesondere die sogenannten Scope-3-Emissionen – also indirekte Emissionen entlang der Wertschöpfungskette – entpuppen sich dabei als der größte, aber zugleich am wenigsten gemanagte Risikofaktor. Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Handlungsagenda.
Die „blinde Stelle“ im Klimamanagement
Obwohl Scope-3-Emissionen im Schnitt 21-mal höher sind als die direkten Emissionen (Scope 1 & 2), messen nur 25 % der Unternehmen ihre Lieferkettenemissionen, und weniger als 4 % haben ein wissenschaftlich fundiertes Reduktionsziel. Diese Zahlen sind alarmierend – nicht zuletzt, weil gerade in den Lieferketten die größten Einsparpotenziale liegen.
Klimarisiken sind real – und teuer
Der Bericht prognostiziert bis zum Jahr 2030 ein globales Haftungsrisiko von über 500 Milliarden US-Dollar für Unternehmen durch mögliche CO₂-Bepreisungen ihrer Lieferkettenemissionen. Das entspricht rund 15–20 % des EBITs der S&P-500-Unternehmen. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Unternehmen rund ein Drittel dieser Emissionen für weniger als 12 US-Dollar pro Tonne CO₂ vermeiden könnten – mit einem potenziellen Return-on-Investment von bis zu 6x.
Fünf Maßnahmen, die wirklich Wirkung zeigen
Die Analyse identifiziert fünf konkrete Maßnahmen, die statistisch signifikant mit Zielerreichung bei Scope-3-Reduktionen korrelieren:
Lieferanten einbinden – Unternehmen mit aktivem Supplier Engagement sind 9-mal wahrscheinlicher, ihre Ziele zu erreichen.
Emissionen messen – Aufbau eines GHG-Inventars, idealerweise mit Primärdaten.
Ein Klima-Team benennen – Verantwortlichkeit im Management verankern.
Einen Transformationsplan entwickeln – Orientierung geben, Ressourcen planen.
Budget bereitstellen – Finanzierung absichern, Pilotmaßnahmen ermöglichen.
Auffällig ist: Die Akzeptanz dieser Maßnahmen ist bislang gering. Nur 36 % der Unternehmen binden ihre Lieferanten aktiv ein, und lediglich 11 % sammeln Primärdaten.
Die nächsten Schritte: Vom Reden zum Handeln
Der Bericht gibt eine klare Empfehlung: Unternehmen sollten jetzt eine Basislinie für ihre Lieferkettenemissionen definieren, Lieferanten nach Emissionsintensität segmentieren und gezielte Maßnahmen initiieren – sowohl in der Kommunikation als auch in der Transformation von Einkaufsprozessen und Geschäftsmodellen.
Fazit: Klimarisiken sind Geschäftsrisiken – und Chancen
Der Carbon Action Report 2025 ist mehr als eine Analyse. Er ist ein Weckruf an Unternehmen, Nachhaltigkeit strategisch zu verankern. Wer heute beginnt, seine Scope-3-Emissionen strukturiert zu managen, kann nicht nur regulatorische und finanzielle Risiken minimieren, sondern auch Wettbewerbsvorteile realisieren – etwa durch resilientere Lieferketten, günstigeren Zugang zu Kapital oder gesteigerte Attraktivität für Kunden und Talente.
