Dekarbonisierung: Ein Fahrplan für Unternehmen zu messbaren Ergebnissen
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Die Dekarbonisierung hat sich von einer hehren Unternehmensvision zu einem geschäftskritischen finanziellen Imperativ entwickelt. Die Kosten des klimapolitischen Nichthandelns treten schneller zutage, als die meisten Organisationen erwartet hatten: Bis 2050 sind durch klimabedingte Störungen bis zu 25 % des EBITDA gefährdet, und mögliche Verbindlichkeiten aus der CO₂-Bepreisung verändern bereits heute, wie Investoren und Vorstände langfristige Werte beurteilen. Für Führungskräfte lautet die Frage nicht länger, ob dekarbonisiert werden soll, sondern wie sich ein Programm aufbauen lässt, das Ergebnisse liefert.
Das Wichtigste in Kürze
- Dekarbonisierung erfordert die Reduzierung von Treibhausgasemissionen über den gesamten Geschäftsbetrieb und die Wertschöpfungsketten hinweg und zählt heute zu den dringlichsten finanziellen und operativen Prioritäten für Führungskräfte.
- Vorgelagerte Scope-3-Emissionen sind im Durchschnitt 21-mal höher als die direkten Emissionen. Damit ist die Dekarbonisierung der Lieferkette die folgenreichste Maßnahme, die ein Unternehmen ergreifen kann.
- Dekarbonisierungsprogramme sind dann erfolgreich, wenn sie das Lieferantenengagement in den Mittelpunkt stellen, um verifizierte Emissionsdaten zu erheben, und sich auf wissenschaftsbasierte Ziele konzentrieren.
- Damit sich Dekarbonisierungsverpflichtungen in messbare Ergebnisse übersetzen lassen, braucht es die passende operative Infrastruktur – von internen Verantwortungsstrukturen bis hin zu einem terminierten Klimatransformationsplan.
Was ist Dekarbonisierung?
Dekarbonisierung ist der Prozess der Reduzierung oder Beseitigung von Treibhausgasemissionen aus dem Geschäftsbetrieb und der Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Sie setzt auf jeder Ebene an – vom Energieverbrauch und den Fertigungsprozessen bis hin zu Beschaffungsentscheidungen und den Praktiken der Lieferanten.
Emissionen werden in drei Bereichen (Scopes) gemessen:
- Scope 1: Direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen, etwa dem Fuhrpark des Unternehmens oder der Verbrennung von Brennstoffen vor Ort.
- Scope 2: Indirekte Emissionen aus zugekaufter Elektrizität, Wärme oder Dampf.
- Scope 3: Sämtliche Emissionen der Wertschöpfungskette, einschließlich der von Lieferanten verursachten Emissionen und der Nutzung der Produkte durch die Endverbraucher*innen.
In den meisten Branchen ist Scope 3 mit deutlichem Abstand die größte Kategorie – im Durchschnitt 21-mal höher als Scope 1 und 2 zusammen. Zugleich ist dies der Bereich, in dem Unternehmen die meiste Arbeit vor sich haben.
Dekarbonisierung vs. Netto-Null
Die beiden Begriffe hängen zusammen, sind aber nicht austauschbar.
Dekarbonisierung stellt die Reduzierung von Emissionen an der Quelle durch strukturelle betriebliche Veränderungen in den Vordergrund. Es geht darum, zu erkennen, wo Emissionen entstehen, und sie über den Geschäftsbetrieb und die Lieferketten hinweg systematisch zu reduzieren.
Netto-Null (Net Zero) ist ein umfassendes Klimaziel, bei dem ein Unternehmen seine Treibhausgasemissionen auf das absolute Minimum reduziert und die verbleibenden Emissionen (also jene, die zu schwer oder gar nicht vermeidbar sind) durch eine entsprechende Menge an CO₂-Entnahme neutralisiert. Wichtig ist: Netto-Null zu erreichen, setzt zunächst Dekarbonisierung voraus. Maßnahmen zur CO₂-Kompensation sollten erst dann zum Einsatz kommen, wenn ein Unternehmen alle praktikablen Möglichkeiten zur Emissionsreduzierung an der Quelle ausgeschöpft hat.
Warum die Dekarbonisierung von Unternehmen nicht warten kann
Die finanziellen Argumente dafür, jetzt bei der Dekarbonisierung zu handeln, sind längst nicht mehr theoretisch. Eine Analyse von EcoVadis und BCG kommt zu dem Ergebnis, dass ungesteuerte Scope-3-Emissionen Unternehmen bis 2030 einem weltweiten jährlichen Haftungsrisiko von mehr als 500 Milliarden US-Dollar aussetzen könnten – das entspricht 15–20 % des EBIT der im S&P 500 gelisteten Unternehmen. Für Führungskräfte schließt sich das Zeitfenster, um diesem Risiko zuvorzukommen, denn der Druck wächst an mehreren Fronten.
Risiken durch CO₂-Bepreisung: Das EU-Emissionshandelssystem und der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) machen die CO₂-Intensität zu einer direkten finanziellen Belastung für Unternehmen und ihre Lieferanten.
Verpflichtende Offenlegung: Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU und California SB-253 verlangen inzwischen eine verifizierte Emissionsberichterstattung über alle Scopes hinweg, wobei Lieferkettendaten in den kommenden Jahren zunehmend in den Anwendungsbereich fallen.
Genauere Prüfung durch Investoren: Weltweit werden inzwischen 222 Billionen US-Dollar an Vermögenswerten von Institutionen verwaltet, die die Offenlegungsstandards des ISSB/IFRS unterstützen. Klimarisiken fließen zunehmend in Kapitalkosten und Bewertungen ein.
Druck von Kunden und Markt: B2B-Einkäufer*innen verschärfen ihre Qualifizierungskriterien für Lieferanten rund um CO₂-Emissionen, wodurch Transparenz zu einem Faktor beim Gewinnen und Halten von Aufträgen wird.
Unternehmen, die bei ihren Dekarbonisierungsbemühungen früh handeln, verschaffen sich bereits heute Vorteile bei den Kapitalkosten und sichern sich den Status als bevorzugter Lieferant bei Partnern, für die Klimaleistung zur Grundvoraussetzung geworden ist.
Die Rolle der Dekarbonisierung in der Lieferkette
Vorgelagerte Scope-3-Emissionen stellen das, was die meisten Unternehmen durch ihren eigenen Betrieb verursachen, in den Schatten – und noch so große Fortschritte bei den eigenen Anlagen schließen diese Lücke nicht ohne direktes Engagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Der Carbon Action Report 2025 von EcoVadis hat gezeigt, dass das Ausmaß der Emissionsdisparität je nach Branche variiert, das Muster jedoch durchgängig ist:
- Lieferketten im Einzelhandel verursachen Scope-3-Emissionen, die 55-mal höher sind als die direkten Emissionen.
- Lieferketten im Lebensmittelbereich liegen 45-mal höher.
- Lieferketten in der Fertigung verursachen das Zehnfache von Scope 1 und 2 zusammen.
Eine wirksame Dekarbonisierung der Lieferkette erfordert eine bewusste Strategie. Diese besteht in der Regel darin, Lieferanten nach ihrem Emissionsfußabdruck und ihrem Klimarisiko zu segmentieren und das intensivste Engagement auf jene Lieferanten zu richten, die den größten Anteil an den Emissionen ausmachen und das höchste Risiko für das Unternehmen darstellen.
So bauen Sie eine Dekarbonisierungsstrategie für Ihr Unternehmen auf
Dekarbonisierungsstrategien liefern nur dann messbare Ergebnisse, wenn sie auf den richtigen Grundlagen aufbauen und als abteilungsübergreifende Initiative umgesetzt werden – und nicht als isolierte Nachhaltigkeitsfunktion. Die folgenden Schritte skizzieren einen Fahrplan, der Führungskräften hilft, Klimaverpflichtungen in die übergeordnete Unternehmensstrategie einzubetten.
1. Governance aufbauen und Programmziele festlegen
Wirksame Dekarbonisierung erfordert zuallererst eine funktionsübergreifende Verantwortung. Das bedeutet: ein Team aus Beschaffung, Finanzen und Nachhaltigkeit mit klar definierten Zuständigkeiten aufzustellen, die Unterstützung der Führungsebene für langfristige Verpflichtungen wie SBTi oder Netto-Null zu sichern und von Anfang an klare Erwartungen an die Lieferanten zu formulieren.
2. Die Lieferkette segmentieren und priorisieren
Unternehmen können nicht alle Lieferanten gleichzeitig einbinden. Nutzen Sie ausgabenbasierte Analysen oder ein emissionsbezogenes Risk Mapping, um die größten Scope-3-Emittenten entlang der Wertschöpfungskette zu identifizieren. Die Konzentration der Ressourcen auf die emissionsintensivsten Lieferantenkategorien macht ein Programm zielgerichtet statt breit und diffus.
3. Eine verifizierte Ausgangsbasis für die Dekarbonisierung schaffen
Sind die vorrangigen Lieferanten identifiziert, können Unternehmen primäre Emissionsdaten direkt anfordern – darunter die Corporate Carbon Footprints über alle drei Scopes hinweg sowie, wo relevant, Product Carbon Footprints. Primärdaten ersetzen Branchendurchschnitte durch lieferantenspezifische Werte und schaffen so die verifizierte Ausgangsbasis, die für eine glaubwürdige Zielsetzung erforderlich ist.
4. Lieferanten zum Handeln bei der Dekarbonisierung bewegen
Gruppieren Sie Lieferanten nach ihrem CO₂-Reifegrad und richten Sie das Engagement entsprechend aus. Lieferanten, die noch am Anfang ihrer Dekarbonisierungsreise stehen, benötigen Ressourcen zur Kompetenzentwicklung und Unterstützung, um ihre eigene Ausgangsbasis zu ermitteln. Fortgeschrittenere Lieferanten sollten an Korrekturmaßnahmenplänen gemessen und ihre Fortschritte anhand von Reduktionszielen überwacht werden.
5. Überprüfen, verfeinern und berichten
Überwachen Sie die Fortschritte der Lieferanten jährlich und passen Sie die Beschaffungsstrategien an, sobald sich die Datenlage weiterentwickelt. Die in diesem Prozess erhobenen verifizierten Primärdaten bilden die Grundlage für die Berichterstattung im Rahmen von Vorgaben wie der CSRD und California SB-253 sowie für eine glaubwürdige Kommunikation der Dekarbonisierungsfortschritte gegenüber Investoren und Kunden.

Dekarbonisierungsfortschritte messen und berichten
Ein Dekarbonisierungsprogramm ist nur so gut wie die Daten, die ihm zugrunde liegen. Nicht gemessene Emissionen lassen sich schlicht nicht steuern, und nicht verifizierte Fortschritte können Investoren, Regulierungsbehörden oder Kunden nicht mit Überzeugung berichtet werden.
Die meisten Unternehmen beginnen ihre Scope-3-Messreise mit ausgabenbasierten Schätzungen und Branchendurchschnitten. Das ist ein sinnvoller Ausgangspunkt, aber kein Ziel. Es gilt, die Schätzungen schrittweise durch verifizierte Primärdaten zu ersetzen, die direkt bei den Lieferanten erhoben werden. Ein ausgereiftes Programm zur Emissionsmessung sollte Folgendes umfassen:
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- Von Dritten verifizierte Emissionsdaten über alle drei Scopes hinweg
- Produktbezogene CO₂-Bilanzierung für besonders wirkungsstarke Lieferantenkategorien
- Primäre Emissionsdaten, die in großem Umfang direkt bei den Lieferanten erhoben werden
- Integration in Beschaffungsprozesse und Berichtszyklen des Vorstands
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Der EcoVadis Carbon Action Manager bietet Unternehmen die Infrastruktur, um CO₂-Daten von Lieferanten in großem Umfang zu erheben, zu bewerten und darauf zu reagieren – und verknüpft die Emissionsleistung direkt mit Beschaffungsentscheidungen. Kontaktieren Sie uns und starten Sie noch heute mit EcoVadis.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie messen Unternehmen ihre Dekarbonisierungsfortschritte? Auch wenn eine vollständig verifizierte Emissionsbilanz der Goldstandard ist, müssen sich die meisten Unternehmen zunächst auf Sekundärdaten (also Branchendurchschnitte oder ausgabenbasierte Schätzungen) stützen, um ihre komplexen Scope-3-Emissionen in der Lieferkette zu erfassen.
Selbst mit geschätzten Ausgangswerten können Unternehmen wissenschaftsbasierte Ziele setzen und Reduktionen nachverfolgen. Mit der Zeit ersetzen sie diese Schätzungen schrittweise durch primäre Lieferantendaten, um die Genauigkeit zu verbessern.
Was sind die größten Hindernisse für die Dekarbonisierung von Unternehmen? Die meisten Dekarbonisierungsprogramme von Unternehmen stoßen auf mehrere entscheidende Hürden:
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- Datenlücken: Ohne primäre Scope-3-Emissionsdaten ist die Zielsetzung unzuverlässig und der Fortschritt nicht präzise messbar.
- Begrenzte Fähigkeiten der Lieferanten: Vielen Lieferanten – insbesondere kleineren – fehlen die Ressourcen oder Systeme, um Emissionsdaten zu erfassen und zu berichten.
- Schwache interne Verantwortlichkeit: Ohne klare Zuständigkeit, ein eigenes Budget und eine an Emissionsergebnisse gekoppelte Vergütung der Führungskräfte verlieren Dekarbonisierungsprogramme über die Planungszyklen hinweg an Dynamik.
- Regulatorische Komplexität: Uneinheitliche Anforderungen in den verschiedenen Regionen erschweren es, eine einzige einheitliche Strategie für Berichterstattung und Reduktion zu entwickeln.
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Welche Rolle spielt die Beschaffung bei der Dekarbonisierung von Unternehmen? Die Beschaffung ist der wichtigste Hebel, über den Unternehmen die Scope-3-Emissionen ihrer Lieferkette angehen können. Da der Großteil der Unternehmensemissionen außerhalb des eigenen Betriebs entsteht, entscheiden die Sourcing-Entscheidungen, Lieferanten-Qualifizierungskriterien und Vertragsbedingungen, die von den Beschaffungsteams gesteuert werden, darüber, ob die Dekarbonisierungsziele eines Unternehmens tatsächlich bis in die Lieferkette hineinreichen.